TypeManufactur

Satzschriften von Georg Salden


TapTap



Tap wurde 1979 in Anlehnung an alte Schreibmaschinen entworfen. Die Konturen bestehen aus scheinbar regellosen Aus- und Einbuchtungen, Buckel und Dellen, die die reizvollen Eigenarten der Schreibmaschinentypen simulieren. Die Buckel und Dellen sitzen durchaus nicht wahllos irgendwo, sondern dort, wo sie der großen Form oder der Zeilenbildung zugute kommen.

Schreibmaschinen tippten jedes ihrer Zeichen nebeneinander auf stets gleichbreite Plätze. Diese Technik war nicht nur mechanisch einfacher, sie erleichterte auch eine eventuelle Korrektur beim Schreiben. Ein I musste also den gleichen Platz ausfüllen wie ein M. Das sich daraus ergebende Erscheinungsbild konnte natürlich ein ästhetisches Typogefühl nicht befriedigen. Trotzdem ist es erstaunlich, mit welcher Artistik und Raffinesse eine gewisse Gleichmäßigkeit in der Zeilenbildung gelingen konnte. Die waagrechten Balken und Serifen hielt man als konstantes Band optisch stärker als die senkrechten, deren Anzahl je nach Zeichen zwischen eins und vier betrug. Die runden Großbuchstaben waren schmal, die B, E, F, P, S breiter als Antiqua-Vergleiche. Über M und W schwieg des Sängers Höflichkeit. Alle senkrechten Serifen schlossen die Punzen mit Macht zu. Wo nötig, wurden die waagrechten Serifen verlängert, um Löcher zu stopfen.


Oft entsprachen die formal-optischen Eingriffe denen der ausgefuchsten amerikanischen Zeitungsschriften. Tiefe Einkerbungen in spitzen Punzen verhindern dort wie hier ein zugehen durch Farbpartikel. Auch die Balkenstärken bedürfen einer sorgfältigen Abstimmung: Zu feine Metallstege wären bald abgequetscht, deshalb obsiegen kräftige Details. Die Kleinbuchstaben haben eine sehr große x-Höhe, weil auch sie die gleiche Breite einnehmen sollen wie die Großbuchstaben. Da sie jedoch niedriger als die Versalien sind, entsteht ein interessanter Kontrast zwischen den eher schmalen Großbuchstaben und den üppigen breiten Minuskeln. All diese bezeichnenden Merkmale einer Schreibmaschinenschrift flossen in den normalen Schnitt der Tap mit ein. Da diese als echte Satzschrift konzipiert ist, das heißt mit unterschiedlichen Breiten der Zeichen, ließen sich allzu heftige Verklemmungen vermeiden. Beispielsweise hat ein i nicht wesentlich längere Serifen als ein n, und ein m schrumpft nicht auf die Breite eines n.


Etwas sehr Wesentliches kommt jedoch als Ausdrucksmittel hinzu. Die alten Schreibmaschinentypen sind als kleine Stempel so perfekt glatt und konturenscharf geschnitten wie eben möglich und wie jede Satzschrift. Nur der Typenanschlag auf rauhes, nicht satiniertes Schreibpapier durch das textile Gewebe des Farbbands hindurch ergibt die unregelmäßig grobe „Auflösung“ – eigentlich unerwünscht, aber für unser Empfinden gerade so sympathisch. Gleiches gilt für die viel zu fetten Interpunktionen, die dadurch entstehen, dass ein gleichstarker Stempelanschlag auf eine kleinere Metalloberfläche das Zeichen mitsamt dem Farbband tief ins Papier drückt.


Mit sehr viel Aufwand wurden die zunächst gescannten, aber als noch zu weich empfundenen Linien manuell gesteigert. Schon im Vorfeld des Scannens erfuhren die im Fotosatz verwendeten Reprovorlagen eine sehr emotionale zeichnerische Überarbeitung und Pointierung. Die heutigen Bezier-Kurven würdigen leider meine Arbeit in geringerem Maß. Die Aus- und Einbuchtungen sitzen nicht wahllos irgendwo, sondern dort, wo sie der Form oder der Zeilenbildung zugute kommen. Betrachten Sie zum Beispiel den hinteren Aufstrich des kleinen a. Dieser ist unten an der Schriftlinie weit eingebuchtet, damit ein folgender Buchstabe dicht heranrücken kann, ohne dass seine Serife berührt wird. So entstand eine Arbeitsweise, mit deren Hilfe Georg Salden in viel größerer Freiheit als bei exakter Konturenmalerei mit einem Pinsel das ihm Wichtige hinzufügen oder wegnehmen konnte. Besonders diese Methode kam in der halbfetten und der fetten Ausführung zur Anwendung. Ihre Auswirkung ist dort wegen der dichteren Buchstaben und der geschlosseneren Wortbilder deutlich sichtbar. Bei fetteren Balken müsste die Konturbewegtheit steigen, um auch in kleinen Schriftgraden erkennbar zu bleiben. Dies verbietet jedoch die größere Balkenmasse und der dadurch eingeschränkte Spielraum. Daher finden sich hier weniger, dafür aber ausgeprägtere Buckel und Dellen. Jede Fette folgt so der ihr gemäßen Formgebung. Beide Varianten entfernen sich von der nostalgischen Grundform und ähneln mehr einer serifenbetonten Antiqua, die in grobes Material gekerbt wurde.






OpenType-Features
Im Gegensatz zu OpenType Basic, die keine Features enthalten, sind OpenType Expert Schriften mit zahlreichen OpenType-Features ausgestattet, die die typographischen Möglichkeiten der Schriften erweitern und von fast allen professionellen Layoutprogrammen unterstützt werden.


Unterschiedliche Ziffernformate
Tap Expert Schriften enthalten als Basisziffern proportionale gleichhohe Ziffern. Tabellenziffern und mediaevale Ziffern sind über Features anwählbar. Das Leerzeichen misst genau die Hälfte der Tabellenziffernbreite, so dass es im Tabellensatz für Abstände und Leerstellen verwendet werden kann.

Proportionale gleichhohe Ziffern
Ihr Stand zueinander und zu Satzzeichen ist harmonisiert.
Gleichhohe Tabellenziffern

Brüche
Durch Schrägstrich getrennte Ziffern werden automatisch durch echte Brüche ersetzt. In Kombination mit ganzen Zahlen wird ein reduzierter Leerraum eingefügt. Zähler und Nenner können auch separat über die entsprechenden Features angewählt werden.


Hochgestellte Ziffern
Reguläre Ziffern werden durch hochgestellte Ziffern ersetzt.


Tiefgestellte Ziffern
Reguläre Ziffern werden durch tiefgestellte Ziffern ersetzt.


Sprachspezifische Features
Automatische Verwendung typografisch korrekter Zeichen. Im Rumänischen wird beispielsweise Cedilla mit Kommaakzent ersetzt. Im Türkischen wird bei der Umwandlung in Kapitälchen das i mit einen Punkt versehen.


Typografische Layout Features können entweder über die Opentype-Palette (Illustrator) oder die Zeichen-Palette (Indesign und QuarkXpress) ausgewählt werden. Alle möglichen Zeichen sind über die Glyphen-Palette erreichbar.