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Satzschriften von Georg Salden


BrasilBrasil



Brasil verbindet Merkmale einer Grotesk und einer Antiqua. Sie ist nicht wie die Optima eine Antiqua ohne Serifen, sondern eine Sanserif mit anschwellenden Balkenenden. Sie hat sehr ausdrucksvolle Kurvenabläufe und ihre Senkrechten schließen an der Schriftlinie mit einer deutlichen Betonung ab. Beides bewirkt eine geschlossenere und gleichzeitig elanvollere Zeilenbildung, als sie reine Groteskschriften geben können. Eigenständigkeit und Fortschrittlichkeit ist der Grundzug dieser Schrift. Sie hat ein klares, großes Bild ohne jede Verspieltheit, wirkt elegant aber nicht blutleer, scharf aber nicht kalt.

Die Brasil kam 1973 zunächst als Titelsatzschrift auf den Markt und wurde Mitte der 80er Jahre für den Mengensatz ausgebaut. Beim Entwurf der Brasil griff Georg Salden auf kalligrafische Erfahrungen zurück. Allerdings verzichtete er auf den starken Fettenkontrast der geschriebenen Kurven und deren schrägen Achsen. Obwohl Brasil den Serifenlosen zuzuordnen ist, entsprechen Balkenkontrast und Bewegung völlig einer echten Antiqua. Aufgrund ihrer größeren Liniarität steht sie den Groteskschriften zweifellos näher. Bezeichnend für den Grotesk-Charakter ist beispielsweise das gemeine g und u.


Handgezeichnete Figuren der Titelsatzschrift von 1973.

Brasil betont alle Ecken und Spitzen durch konkave Balkenabschlüsse, die waagrechten Balken durch gewölbte Außenlinien. Die Senkrechten sind nicht gleichmäßig „tailliert“, sondern im Mittelteil gerade. Auch innen bleiben sie zum Winkel hin gerade. Die Einläufe der Gemeinen h, m usw. sind gerundet, die Innenräume von B, D usw. nähern sich damit dem Oval an. Die Kopfabschlüsse sind gewichtiger als die Abschlüsse der Buchstabenfüße. Die schrägen Abschlüsse der Oberlängen schließen gut an Versaloberkanten an und vermindern gleichzeitig die Betonung des Raumes oberhalb des eigentlichen Schriftbandes der Gemeinen. Alle spitzen Innenräume sind mit Einstichen geöffnet, so dass sie beim Druck in kleinen Schriftgraden nicht zulaufen. Brasil besitzt eine große x-Höhe. Ihre Ungebundenheit beweist die Schrift im Zusammengehen der gegensätzlichen a-, g-, ß- und u-Formen. Die Versalien stehen überzeugend und zeigen mit schmalen T, N und O, jedoch relativ breiten B und S unorthodoxe Proportionen. Die runden Formen der Interpunktionen bilden einen reizvollen Gegensatz zu den geschärften Balkenendungen.



Zur Typik der Brasil gehört ein Anschwellen der Rundungen an einzelnen Buchstabenpartien, beispielweise bei den Halbrunden Versalien B, D, P und R, bei U und u, bei den rechten Senkrechten von h, m und n, vor den Kurven des f und t, und im Unterlängenbereich von J, j, g und y. Alle anderen Rundungen werden zur Waagrechte hin „gleichmäßig“ dünner. Die Endungen tragen, soweit sie frei auslaufen, oben senkrecht und unten schräg geschnittene kräftige Abschlüsse. Dabei sind die feinen Spitzen gebrochen. K, k und R münden in der Mitte waagrecht ein. Außergewöhnlich ist das ß, das trotz seines bewegten Ablaufs nicht an seine Herkunft aus der Fraktur erinnert.



Alle Schriftschnitte sind für sich entwickelt und nicht interpoliert. Ein Vergleich der Kopfkurven in den einzelnen Schnitten macht ihre Selbständigkeit deutlich. Was eine „Leichte“ an Schwung in den Großformen zulässt, muss eine „Fette“ durch andere Formbewegungen kompensieren. Der halbfette Schnitt ist besonders eng zugerichtet. Mit der Buch und der Kräftig stehen wahlweise zwei Textschriften zur Verfügung. Die Kursiven, die ihren Schreibcharakter nicht verbergen, steht der Antiqua näher als die geraden Schnitte. Das ist bei den An- und Abgängen von A und E deutlich zu erkennen. Die Großbuchstaben beziehen aus diesen Elementen ihre Verwandtschaft zu den Gemeinen. Vorzugsweise mit mediaevalen Ziffern zu setzen, sind die Kursiven auch für längere Texte bestens geeignet. Gerade poetische Literatur wirkt ausdrucksstark. Die kursiven Schriftschnitte Extraleicht, Leicht und Buch enthalten zusätzlich Alternativbuchstaben mit ausladenden Schwüngen. Die reich ausgebaute Schrift, von extraleicht bis fett, wirkt im kleingradigen Fließtext sachlich und präzise. In großen Größen zeigt sie ihre Ornamentik.








OpenType-Features
Im Gegensatz zu OpenType Basic, die keine Features enthalten, sind OpenType Expert Schriften mit zahlreichen OpenType-Features ausgestattet, die die typographischen Möglichkeiten der Schriften erweitern und von fast allen professionellen Layoutprogrammen unterstützt werden.


Schwungbuchstaben
Die kursiven Brasil Expert Fonts Extraleicht, Leicht und Buch enthalten zusätzlich Alternativzeichen mit ausladenden Schwüngen. Sie sind über die Features „Schwungschrift“ (Swashes), „Formatsatz 1“ oder „Formatvarianten“ anwählbar.

Unterschiedliche Ziffernformate
Brasil Expert Schriften enthalten als Basisziffern proportionale gleichhohe Ziffern. Tabellenziffern und mediaevale Ziffern sind über Features anwählbar. Das Leerzeichen misst genau die Hälfte der Tabellenziffernbreite, so dass es im Tabellensatz für Abstände und Leerstellen verwendet werden kann.

Proportionale gleichhohe Ziffern
Ihr Stand zueinander und zu Satzzeichen ist harmonisiert.
Gleichhohe Tabellenziffern
Proportionale mediaevale Ziffern
Ihr Stand zueinander und zu Satzzeichen ist harmonisiert.
Mediaevale Tabellenziffern

Brüche
Durch Schrägstrich getrennte Ziffern werden automatisch durch echte Brüche ersetzt. In Kombination mit ganzen Zahlen wird ein reduzierter Leerraum eingefügt. Zähler und Nenner können auch separat über die entsprechenden Features angewählt werden.


Hochgestellte Ziffern
Reguläre Ziffern werden durch hochgestellte Ziffern ersetzt.


Tiefgestellte Ziffern
Reguläre Ziffern werden durch tiefgestellte Ziffern ersetzt.


Sprachspezifische Features
Automatische Verwendung typografisch korrekter Zeichen. Im Rumänischen wird beispielsweise Cedilla mit Kommaakzent ersetzt. Im Türkischen wird bei der Umwandlung in Kapitälchen das i mit einen Punkt versehen.


Typografische Layout Features können entweder über die Opentype-Palette (Illustrator) oder die Zeichen-Palette (Indesign und QuarkXpress) ausgewählt werden. Alle möglichen Zeichen sind über die Glyphen-Palette erreichbar.