Schriftschnitte
Zeichensatz
Design Info
Type Test
Zitat ist eine sachliche und kraftvolle zeitgenössische Antiqua, die ursprünglich für Zeitungen entworfen wurde. Schmale Buchstaben und eine relativ hohe x-Höhe führen zu einem kompakten Satz, wie er für schmale Textspalten gewünscht wird. Nirgends scheint mehr getan als eben nötig, um Deutlichkeit zu erzielen. Und doch: wenn man die Basisschrift betrachtet, klingt aus ihr ein freundschaftlicher Ton, geistvoll und sensibel, offen und zuverlässig, kraftvoll und überzeugend.
Zitat entstand für Zeitungen. Zeitungsschriften hat man schon in Bleisatzzeiten
viel Aufmerksamkeit gewidmet. Die meisten waren auf offene Punzen getrimmte Egyptiennen.
Später wurde in Deutschland die sehr nüchterne »Candida« (Erbar) eingesetzt oder die
schmiegsamere »Melior« (Zapf). Der etwas dünnlippigen »Times« (Morison) wurde die stabilere
»Concorde« (Lange) entgegengestellt. Aus diesem oft durchpflückten Acker wollte ich eine Schrift
wachsen lassen, die gut lesbar, ohne Auffälligkeiten, sachlich ist.
Zitat ist ein wenig schmaler für eine Antiqua, damit mehr Buchstaben in schmale Spalten passen.
Ihre Versalien sind leicht fetter als die Gemeinen und gliedern den sprachlichen Rhythmus.
Wo Verklecksungen in Buchstaben zu erwarten sind, sind die Buchstabenverbindungen unterbrochen:
bei B, K, R, g, k. Die Serifen sind auf den Höhenlinien eingekerbt. An schrägen Balken sind die Serifen nach
innen waagrecht und leichter, außen abfallend. Oberlängen haben an sich flache Serifen, die am Stamm nach
rechts oben spitzen. Unnötige Serifen sind weggelassen: E, F in der Mitte. h, m, n haben hinten
nur Halbserifen in Leserichtung; dadurch bleiben die Innenräume dieser
Buchstaben freier. Senkrechte Serifen an runden Balken-Endungen knicken diese Rundungen
nach innen ab und verstärken so die Idee dieser Buchstaben.

Nirgends scheint mehr getan als eben nötig, um Deutlichkeit zu erzielen. Und doch: wenn man
die Basisschrift betrachtet, klingt aus ihr ein freundschaftlicher Ton, geistvoll und sensibel,
offen und zuverlässig, kraftvoll und überzeugend.
Die wenigen 3 Schnitte müssen als Einheit beurteilt werden. Die »Fette« ist wie meist im
Verhältnis zur Grundschrift grober und wuchtiger, eben nachdrücklicher. Die typischen
Merkmale konnten alle mit gleichem Vorteil übernommen werden. Die Fette hat eine größere
x-Höhe, weil sie sonst durch Anfettung niedrigerer Innenräume bei der gleichen Punktgröße
kleiner erscheinen würde. Trotzdem läuft sie kaum breiter. Der Fettenzuwachs geht
bei senkrechten Balken eher nach innen. Schmalere Innenräume gestatten auch geringere
Buchstabenabstände.

Besonders erwähne ich die Kursiv. Hier wurden die Großbuchstaben der Basisschrift als
schräge Varianten zu den Kleinbuchstaben gestellt, die alle ihre eigene kursive Formenwelt
besitzen. Nur ein Buchstabe hat einen echten Serif: das f, das ich mit Unterlänge als zu kalligrafisch
fände. Es fehlen auch bei anderen Unterlängen Schwungelemente gegen die Leserichtung. Der
einzige Schreib-Anklang sitzt im unteren Balken des z, sozusagen ein kleines Zitat.
Ich mag keine Kursiven, deren 100-prozentig ausgerichtete Schräglage den Eindruck von »Strichregen«
erweckt. Leicht varrierte Richtungen bei Köpfen und Füßen der Buchstaben, auch die ziemlich gewölbten
Biegungen vermeiden hier einen solchen Effekt. Wie die Fette zur Basis etwas ernster wirkt, ist
die Kursive fröhlicher und kann so auch allein verwendet werden. Letztendlich ist es
natürlich Aufgabe des Typografen und seine Geschicklichkeit, derartige Stimmungen zu vermitteln.
Georg Salden über die Entstehung der »Zitat«